Spirituelle Tools sind kein Freibrief, als AuDHD-er immer zu funktionieren

Spirituelle Tools sind kein Freibrief, als AuDHD-er immer zu funktionieren

Donnerstag, April 2, 2026

Über Leistungsdruck, Neurodivergenz und die Erlaubnis, einfach mal nicht zu funktionieren

Anderthalb Wochen war ich weg. Kein Content, kein YouTube, keine Tools, kein Wort. Als ich zurückkam, habe ich das einfach so gesagt — direkt, ohne Vorrede, ohne die übliche Ansage dass gleich wieder etwas Tolles kommt. 850 Menschen haben sich diesen Moment in den ersten 2 Tagen angeschaut. Und ich glaube, ich weiss warum.

Tools ersetzen keine menschliche Natur

Ich arbeite über 20 Jahre lang mit spirituellen und mystischen Werkzeugen. Mysterien-Tools, die das Nervensystem beruhigen, die Aura reinigen, die Seniorität zurückbringen. Tools aus der Spiritual Arts Academy, aus jahrzehntelanger täglicher Praxis, aus dem direkten Unterricht der Engel der Hohen Magie. Und trotzdem — manchmal ist da einfach nichts. Kein Bock. Kein Funke. Leere. Nicht weil die Werkzeuge nicht funktionieren, sondern weil ich ein Mensch bin. Ein neurodivergenter Mensch, der nicht linear funktioniert und auch nach 20 Jahren Bewusstseinsarbeit manchmal einfach leer ist.

Das ist kein Versagen. Das ist mein neurodivergentes Sein.

Mit AuDHD lebe ich in einem Rhythmus, der sich nicht an Redaktionsplänen orientiert. Manchmal sprudelt es über — Ideen, Videos, Texte, Verbindungen, Erkenntnisse, alles gleichzeitig und schneller als ich es aufschreiben kann. Und dann kommt eine Phase in der Stille das Einzige ist, was Sinn macht. Nicht die romantische Stille, die in Meditationskursen versprochen wird. Die echte Stille — leer, flach, ohne Antrieb. Lange habe ich gegen diese Phasen angekämpft. Als wäre sie ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Dass ich nicht genug leiste. Dass ich hinter meinem eigenen Anspruch zurückbleibe, hinter dem was ich anderen beibringen möchte. Irgendwann habe ich aufgehört damit. Nicht weil ich resigniert habe — sondern weil ich begriffen habe, dass dieser Rückzug in mein eigenes Sein kein Rückschritt ist, sondern Teil des Prozesses.

Der Leistungsdruck trifft uns anders

Der gesellschaftliche Druck, immer zu liefern, immer sichtbar zu sein, immer einen Mehrwert zu produzieren — er trifft neurodivergente Menschen auf eine eigene Art. Wir sind oft von früh an darauf trainiert worden, uns anzupassen. Zu funktionieren wie alle anderen. Den Erschöpfungsmoment zu überspielen, die Leere zu kaschieren, weiterzumachen auch wenn nichts mehr da ist. Das kostet. Nicht sichtbar, nicht sofort — aber es kostet. Und irgendwann ist da nichts mehr zu kaschieren, weil der Tank leer ist und der Körper einfach die Bremse zieht. Was ich gelernt habe: Rückzug ist keine Verweigerung. Er ist Voraussetzung dafür, dass überhaupt etwas Echtes entstehen kann.

Ein Kanal, ein Monat, 3.100 Views

Mein Kanal existiert seit einem Monat. 3100 Views insgesamt am 02042026, und den letzter short 850 views, 850 views sind keine 720.000 — das ist mir bewusst, und ich mache mir keine Illusionen darüber. Und gleichzeitig: irgendwo muss man anfangen. Was mir dabei wichtiger ist als jede Zahl, ist dass ich mir erlaube zu zeigen, wie ich tatsächlich bin. Nicht die polierte Version. Nicht die Expertin, die immer einen cleveren Tipp parat hat und niemals einen schlechten Tag kennt. Sondern die Frau, die anderthalb Wochen weg war und beim Zurückkommen einfach sagt: ich war nicht da, und das war in Ordnung. Wenn das der bisher meistgesehene Moment auf diesem Kanal ist, dann sagt das etwas — nicht über meine Zahlen, sondern über das, was Menschen gerade wirklich brauchen zu hören.

Die Erlaubnis, die niemand erteilt ausser du selbst

850 Menschen haben genau diesen Moment gesehen. So viele haben reagiert, weil er das ausspricht, was viele täglich fühlen aber selten laut sagen dürfen. Die Erlaubnis, sich selbst zu geben, dass es auch mal leer in einem ist — die hält einen nicht davon ab, im Leben aufzutauchen. Sie ist der Grund, warum man überhaupt wieder auftaucht. Wer sich diese Erlaubnis ständig verweigert, versteckt sich irgendwann wirklich — erschöpft, leer, ohne zu wissen warum. Das gilt für neurodivergente Menschen besonders deutlich. Aber es gilt nicht nur für uns. Der Druck immer zu funktionieren kennt keine Diagnose.

Nächsten Samstag bin ich wieder da — mit einem Video über das Auflösen giftiger Scham. Weil es dann dran ist. Nicht weil ein Kalender es vorschreibt.

Und denke daran, wenn ich es kann, kannst du es auch.

Hellen Tiethoff · Gründerin Space of Light · School for Applied Awareness

Wil Bouwmeester
hat geschrieben
Donnerstag, April 2, 2026, 11:40
Ik ben benieuwd wat je mij te vertellen hebt dat ik beter begrijp hoe je je voelt.
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