Was passiert, wenn du dauerhaft unter deinem Niveau arbeitest — eine Realität, über die kaum jemand spricht

Was passiert, wenn du dauerhaft unter deinem Niveau arbeitest — eine Realität, über die kaum jemand spricht

Montag, April 13, 2026

Über Unterforderung, neurodivergentes Denken und warum Burnouts nicht nur durch Überlastung entstehen

Das Schweizer Bewerbungssystem schaut auf deinen Abschluss. Auf deine Grundausbildung. Auf die Berufsbezeichnung, die auf deinem Diplom steht. Was du wirklich trägst – deine Kapazitäten, deine Denktiefe, das, was in dir steckt – das interessiert selten. Und genau in dieser Lücke habe ich jahrelang gelebt. In Jobs, die zu klein waren. In Strukturen, die mich auf einen Ausschnitt reduzierten. Und in einem stillen, schleichenden Erschöpfungsprozess, den ich lange nicht als das erkannte, was er war: Burnout durch Unterforderung.

Hast du das schon einmal gespürt? Dieses Gefühl, mehr zu sein als das, was von dir verlangt wird – und gleichzeitig keine Sprache dafür zu haben, weil das System dich als gut versorgt einstuft? Weil du arbeitest, verdienst, funktionierst. Weil von aussen alles stimmt. Und innen etwas immer leiser wird.

Eine Entscheidung, die mein Leben geprägt hat

Ich war schulisch stark. Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften, Chemie – Gymnasium-Niveau. Das war mein natürlicher Raum, dort blühte ich auf. Menschen ging ich aber aus dem Weg, sozial sein war nicht mein Ding. Und dann kam die Hotelfachschule. Meine Mutter dachte, es sei ein guter Weg. Ein Weg, auf dem meine Schüchternheit kein Hindernis wäre. Ein Weg, der mich in die Welt bringt, ohne mein scheues Sein zur Belastung zu machen. Ihre Absicht war gut. Ich zweifle keinen Moment daran. Und trotzdem hat diese eine Entscheidung mich ein Leben lang unter meinem Niveau arbeiten lassen. Das positiver war, das ich nebenbei viel erforschen konnte. Aber meiner Berufung? Nein.

Das ist keine Anklage. Es ist eine Tatsache, die ich mir lange nicht erlaubt habe, so klar zu benennen. Das Schweizer System funktioniert nach Diplom und Berufsbezeichnung. Wer eine Hotelfachausbildung hat, landet in der Hotellerie oder im Dienstleistungsbereich. Dass dahinter ein Mensch steckt, der in Naturwissenschaften und Sprachen aufblüht, der nichtlinear denkt, der Zusammenhänge sieht, bevor andere die Frage gestellt haben – das erscheint nirgendwo in einem Bewerbungsdossier. Es gibt keinen Platz dafür. Kein Feld. Keine Rubrik. Mein Gott, hätte ich das gewusst, hätte ich eine andere Berufsausbildungswahl gemacht. Doch es hat ein unschlagbarer Vorteil gehabt. Ich habe in der Schweiz an die schönste orten gewohnt dank der Gastronomie

Was Neurodivergenz mit Unterforderung macht

Ich bin neurodivergent. Ich denke in Farbe, in Schichten, in Verbindungen. Mein Geist ist ständig in Bewegung – verknüpft, assoziiert, springt weiter. In Jobs, die das nicht brauchten, habe ich diesen Teil von mir täglich eingesperrt. Nicht bewusst. Einfach weil kein Raum dafür war. Der Arbeitsalltag verlangte einen Bruchteil von dem, was ich trage. Bestellungen aufnehmen, Essen und Getränke bringen, abräumen, einkassieren. Nie weiter fragen, nur ob es geschmeckt hat und ob der Gast noch einen Kaffee, Tee oder Mojito wollte. Gott was war das eine kleiner Welt. Doch auf den automatischen Piloten extrem gut machbar. Ich habe funktioniert. Effizient, zuverlässig, angepasst und gesprächig. Nach aussen war alles in Ordnung. Innen kostete es mich alles.

Das Einengen kostet mehr Energie als das sich selbst sein. Wer das einmal gespürt hat, weiss es. Es gibt nichts erschöpfenderes als ein Leben, das zu klein ist für das, was du bist. Dein System sucht ständig nach einem Ausweg für die Energie, die keinen Kanal findet. Bis es irgendwann zusammenbricht. Leise zuerst. Dann lauter. Dann vollständig. Das war der Mechanismus hinter meinen Burnouts. Dauerhaftes Unterdrücken, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Auch hier das interessante war, ist das ich herausgefunden habe das es stimmt, was Medical Medium Anthony William behauptet. Es gibt mehrere formen von Burnout, ich habe ausgiebig Erfahrung gemacht mit Nervensystem Burnout und Nebennieren Burnout.

Das Vorstellungsgespräch zeigt alles – von der ersten Minute an

Ein Vorstellungsgespräch ist kein Casting, bei dem du beweisen musst, dass du gut genug bist. Es ist ein gegenseitiges Kennenlernen. Beide Seiten entscheiden. Diese Perspektive ist erst nach unterschiedlichen Burnouts und Enttäuschungen in mehrere Arbeitgeber entstanden. Diese Perspektive hat mein Erleben von Bewerbungsgesprächen grundlegend verändert. Die Zeichen für Unter- oder Überforderung sind schon in den ersten Minuten sichtbar. Ich habe sie jahrelang ignoriert. Wenn du bei der Jobbeschreibung innerlich denkst: das erledige ich nebenbei – das ist ein Signal. Kein schlechtes. Ein ehrliches. Wenn du keine einzige Frage hast, weil dich schlicht nichts wirklich interessiert, ist auch das ein Signal. Sich getrauen nach die innerliche Erkennung Signalen zu handeln, das ist die Herausforderung, doch einen notwendige Lektion.

Ich habe gelernt, situationsbedingt Begeisterung zu zeigen. Das ist eine Fähigkeit, die ich mir über die Jahre Dank die Jahrzehnte Arbeitserfahrung in der Gastronomie, angeeignet habe. Kurzfristig funktioniert sie. Langfristig zerstört sie mich. Ich kannst nicht jahrelang etwas spielen, das ich nicht bin. Ich kann nicht jahrelang 6 bis 12 Stunden ohne Pause hohe Leistung bringen, egal ob der Branche pause verpflichtet, der Realität ist es selten gewesen. Ich kann nicht jahrelang tuen, als sei es genug nur 40% von mich selbst zu zeigen – nicht ohne Preis. Und der Preis war bei mir jedes Mal derselbe: ein System, das irgendwann einfach nicht mehr konnte. Das sich weigerte weiterzumachen. Das mich zwang innezuhalten, obwohl ich es selbst nicht wollte.

Die Stellenanzeige: dein erster Spiegel

Was ich gelernt habe teile ich hier mit dir. Bevor du überhaupt ins Gespräch gehst, hast du bereits eine Aufgabe: die Stellenanzeige wirklich lesen. Nicht überfliegen. Lesen, durchdenken, ernst nehmen. Und dich ehrlich fragen, ob das, was dort steht, dem entspricht, was dich morgens aus dem Bett bringt. Das habe ich lange übersprungen. Ich habe Stellen angenommen, weil sie verfügbar waren. Weil mein Abschluss passte. Weil den Ort und das Gehalt stimmte. Weil das System sagte: das ist dein Bereich. Das sind keine Gründe. Echt nicht.

Die relevante Frage lautet: Was bewegt mich wirklich? Was motiviert mich? Welche Arbeit macht mich lebendig – heute und auf die Dauer? Diese Fragen habe ich mir ernsthaft tiefgreifend nach meiner letzten Kündigung gestellt. Da hatte ich endlich den Raum dafür. Und ich bemerkte, wie viel Klarheit entsteht, wenn ich aufhöre, die Antworten vom System zu erwarten – und anfänge, nach innen zu schauen. Die Antworten waren die ganze Zeit da. Ich hatte sie nur nie umgesetzt.

Motivation lässt sich nicht dauerhaft simulieren

Fehlende Motivation ist keine Schwäche. Sie ist ein ehrliches Signal deines Systems. Ich habe in Jobs gearbeitet, in denen ich funktionierte. Aufgaben erledigte. Den Kalender füllte. Und trotzdem war da dieses ständige Leere. Diese Empfindung, irgendwo danebenzustehen. Als ob eine Version von mir die Arbeit machte, während das echte Hellen irgendwo wartete, bis es vorbei war. Motivation aus Pflicht trägt dich eine Weile. Motivation aus echter Resonanz trägt dich ein Leben lang.

Der Unterschied ist körperlich spürbar. Wenn eine Arbeit zu dem passt, wer du wirklich bist – zu deiner Tiefe, deiner Art zu denken, deinen Stärken – entsteht dabei Energie. Du kommst müde nach Hause, aber nicht leer. Du willst am nächsten Morgen weitermachen. Bei mir zeigt es sich in ein sehr auffälliges Verhalten mein Körper, ich bewege mich als würden meine Hände tanzen, an das erkenne ich, ich bin am richtigen Ort. Das ist der Massstab. Den kannte ich lange nicht. Inzwischen kenne ich ihn täglich. Und ich werde nie wieder lange genug irgendwo bleiben, wo dieser Massstab fehlt. Mein vorheriger Arbeitgeber war zum 2. Mal mein Chef, wenn er bemerkte das dieses tanzende Bewegungen langsam verschwand, wüsste er auch, es ist Hellen nicht mehr wohl, sie wird weiterziehen.

Delegation ist kein Versagen – es ist Präzision

Nach meiner letzten Kündigung habe ich etwas getan, das ich früher eher übersprungen hatte: innegehalten. Länger als einen Tag. Ich habe mir die Zeit gegönnt, wirklich zu spüren, was ich will. Was mir Freude macht. Was mich in den Flow bringt. Was ich selbst tun will – und was ich lieber delegiere. Diese Unterscheidung war eine der wichtigsten Erkenntnisse meines beruflichen Lebens. Ich habe wochenlang versucht, eine Buchcover-Datei selbst anzuliefern. Frustration, neue Versuche, mehr Frustration. Als neurodivergentes sein ist es erfahren, als ob ich am Schluss wahnsinnig würde, bis der blitz Einsicht kann mit das Wort Fiverr. So ein typischer Schutzengel Art Kommunikation. Ach natürlich, das geht auch. Ich hab’s gleich delegiert. Doch

Was war die Dankbarkeit tief, wenn innert 12 Stunden der Datei so angeliefert wurde, damit der Druckerei ein Hardcover Variation mit Relief und Silber Folien liefern konnte. Die Erleichterung war körperlich spürbar. Mein erster Gedanke: Warum habe ich das nicht früher gemacht? Die Antwort ist einfach. Ich hatte das Muster noch nicht erkannt – das Muster, das flüstert, du musst alles selbst können. Du kannst es dir erlernen so eine Datei abzuliefern. Das stimmt nicht. Was du wirklich kannst: erkennen, worin du exzellierst. Und den Rest in die richtigen Hände geben. Delegation ist keine Schwäche. Es ist präzises Selbstmanagement. Und der direkteste Weg zu einer Arbeit, die wirklich zu dir passt. Und ehrlich gestattet, mit meinem neurodivergenten Sein, das Perfektionismus in mir, ist das eine sehr wertvolle Lektion. Weil ich habe, mein System jetzt gelernt, ich muss nicht alles können, es gibt tausenden die das besser und schneller können und das ist okay, einfach abgeben.

Das System ändert sich nicht. Du schon.

Das Schweizer Bewerbungssystem wird sich nicht verändern, weil ich es mir wünsche. Es schaut weiterhin auf Diplome, Berufsbezeichnungen, Linearität. Das bedeutet: man lernt, das System zu lesen – und du bleibst dir dabei selbst treu. Heute, wenn ich in ein Gespräch über eine Zusammenarbeit gehe, achte ich auf andere Dinge als früher. Ob echte Fragen in mir entstehen. Die kommen oft hoch aus meinen Bauch, das wo das Instinkt zuhause ist, in den Hara, den dientien, das One Point. Ob mein Interesse organisch aufkommt. Ob ich innerlich lebendig werde, wenn wir reden. Ob etwas in mir sich zusammenzieht. Diese körperlichen Signale sind real. Sie sind kein Drama. Sie sind inneres Wissen.

Sensible Menschen, Hochsensible, Neurodivergente – wir spüren das früher. Klarer. Präziser. Das ist kein Nachteil. Das ist ein aussergewöhnlicher Kompass, den du benutzen darfst. Bevor du den nächsten Vertrag unterschreibst, bevor du das Gespräch mit einem aufgesetzten Lächeln beendest, bevor du dich wieder in eine Struktur presst, die zu klein ist – frag dich eine einzige Frage: Darf ich hier wirklich ich sein? Vollständig. Mit meiner Tiefe, meiner Geschwindigkeit, meinen Kapazitäten – und nicht nur mit dem, was auf dem Diplom steht. Wenn die Antwort nein ist, dann ist die Stelle falsch. Das ist kein Versagen. Das ist Klarheit. Und Klarheit rettet dich vor dem nächsten Burnout.

Ich bin Hellen Tiethoff, Gründerin von Space of Light und der School for Applied Awareness. Meine Arbeit dreht sich um angewandtes Bewusstsein – im Alltag, im Berufsleben, in der persönlichen Entwicklung. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du Entscheidungen triffst, die wirklich zu dir passen, findest du meine Bücher auf hellentiethoff.ch – und kostenlose Impulse auf meinem YouTube-Kanal @HellenTiethoffDE.

Und denke daran: Wenn ich es kann, kannst du es auch.

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