
Applied Awareness: Was machst du mit dem, was du wahrnimmst?
Du spürst etwas, erkennst ein Muster oder hast plötzlich eine klare Idee. Was geschieht danach? Über den Moment, in dem Wahrnehmung im Alltag zur Handlung wird.
Du sitzt in einem Gespräch und merkst, dass du eigentlich längst eine Pause brauchst. Trotzdem hörst du dich sagen: „Ja, das mache ich auch noch.“ Oder du hast eine Idee, bei der du sofort lebendig wirst, und erklärst dir fünf Minuten später, warum jetzt ganz bestimmt der falsche Zeitpunkt dafür ist. Vielleicht betrittst du einen Raum und spürst, dass du dort bleiben möchtest. Vielleicht willst du nach zwei Minuten wieder gehen. Wahrgenommen hast du etwas. Die Frage ist, welchen Platz diese Information in deinem Leben bekommt.
Genau dort beginnt für mich Applied Awareness: angewandtes Bewusstsein. Bei dem, was du mit einer Wahrnehmung anfängst, sobald das Gespräch weitergeht, das Telefon klingelt oder jemand eine Antwort von dir möchte. Im ganz gewöhnlichen Leben, das selten höflich wartet, bis wir innerlich fertig sortiert sind.
Was bedeutet Applied Awareness?
Applied Awareness ist die Verbindung zwischen bewusster Wahrnehmung und dem eigenen Handeln. Du bemerkst etwas, schaust genauer hin und entscheidest, wie du damit umgehen willst. Bei Space of Light und der School for Applied Awareness ist das der Ausgangspunkt meiner Arbeit. Die eigene Erfahrung bekommt einen Platz, und du lernst, mit ihr umzugehen.
Dabei gehört für mich spirituelle Wahrnehmung genauso dazu wie das, was du an deinem Körper, deinen Gedanken oder im Kontakt mit anderen Menschen bemerkst. Ein Zukunftsbild, eine innere Antwort, eine deutliche Reaktion auf einen Ort: All das lässt sich anschauen. Welche Bedeutung es für dich hat, zeigt sich auch daran, was du im weiteren Verlauf beobachtest und erlebst.
Ein Gefühl kann sehr deutlich sein, während seine Bedeutung noch offen ist. Du spürst eine Anspannung vor einem Gespräch. Kommt sie von dem Thema? Bist du müde? Erwartest du eine Reaktion, die du aus früheren Begegnungen kennst? Je genauer du hinschaust, desto mehr Informationen stehen dir für deine Entscheidung zur Verfügung.
Drei Stellen, an denen es konkret wird
Bei der Arbeit: Du merkst, dass deine Konzentration nachlässt und jeder zusätzliche Auftrag dich reizbarer macht. Was machst du mit dieser Information? Du kannst eine Pause ansprechen, die Reihenfolge deiner Aufgaben ändern oder prüfen, welche Arbeitsverteilung auf Dauer zu dir passt. Die Wahrnehmung führt zu einer konkreten Frage: Was brauche ich, damit ich diese Arbeit gut machen kann?
In einer Begegnung: Jemand fragt dich um einen Gefallen. Dein Mund ist schon beim Ja, während du innerlich merkst, dass es dir zu viel wird. Hier beginnt Anwendung mit einem ausgesprochenen Satz: „Ich schaue zuerst, ob ich dafür Raum habe.“ Damit gibst du dir Zeit, eine Antwort zu finden, zu der du auch später noch stehen kannst.
Bei einer Idee: Etwas begeistert dich. Du siehst plötzlich eine Verbindung, die vorher nicht da war. Jetzt kannst du festhalten, was du erkannt hast, und einen ersten Schritt ausprobieren. Eine Frage stellen, etwas aufschreiben, einen Ablauf testen. So lernst du deine Idee im Kontakt mit der Wirklichkeit kennen.
Das sind kleine Momente. Gerade deshalb sind sie interessant. Sie kommen wieder. Und mit ihnen die Gelegenheit, anders zu handeln als beim letzten Mal.
Was du wahrnimmst, darf sich weiter klären
Ich finde es spannend, eine Wahrnehmung über längere Zeit zu beobachten. Was bleibt bestehen? Was verändert sich nach einer Nacht Schlaf? Welche Information kommt hinzu, wenn du einen Ort ein zweites Mal besuchst oder mit jemandem direkt sprichst? Auch das ist angewandtes Bewusstsein: der eigenen Wahrnehmung Aufmerksamkeit geben und sich Zeit für ihre Einordnung nehmen.
Du kannst dir dazu drei Fragen stellen: Was habe ich tatsächlich bemerkt? Welche Bedeutung gebe ich dem gerade? Welchen nächsten Schritt möchte ich ausprobieren? Schon diese Unterscheidung schafft Raum. Ein Satz von jemandem, deine Erinnerung an eine frühere Situation und deine heutige Entscheidung bekommen jeweils ihren eigenen Platz.
Auch deine Grenzen gehören dazu
Ich habe hier bereits über spirituelle Tools und den Druck, als AuDHD-Mensch immer zu funktionieren geschrieben. Dieser Punkt gehört für mich mitten in Applied Awareness. Auch Erschöpfung ist eine Information. Auch ein Tag, an dem du Ruhe brauchst, gehört zu deinem Leben.
Wenn Bewusstseinsarbeit zu einer weiteren Aufgabe wird, die du unbedingt perfekt erfüllen musst, lohnt es sich, genau diesen Anspruch anzuschauen. Was verlangst du gerade von dir? Passt das zu dem, was heute tatsächlich möglich ist? Anwendung kann darin bestehen, etwas zu verändern. Manchmal besteht sie darin, eine Grenze ernst zu nehmen und für heute aufzuhören.
Wo du bei Space of Light einsteigen kannst
In meinen Büchern findest du Erfahrungen und Werkzeuge, die du mit deinem eigenen Leben verbinden kannst. Du liest, hältst inne, probierst etwas aus und beobachtest, was geschieht. Für den Einstieg darf die Frage ganz einfach sein: Was davon spricht mich gerade an?
Bei einem Online Retreat bleibt dein Alltag direkt um dich herum. Nach einer Begegnung am Bildschirm bist du wieder in deiner Küche, in deiner Familie oder bei den Aufgaben, die heute anstehen. Dort zeigt sich, was du aus dem Erlebten mitnimmst und wie du es anwenden möchtest.
Für heute kannst du bei einer einzigen Situation anfangen. Nimm etwas, das du schon bemerkt hast und bisher übergangen bist. Gib ihm einen Moment Aufmerksamkeit. Und entscheide, welchen kleinen, konkreten Schritt du daraus machen möchtest. Genau dort bekommt Bewusstsein einen Platz in deinem Leben.
Und denke daran: Wenn ich es kann, kannst du es auch.
Hellen Tiethoff · Gründerin von Space of Light und der School for Applied Awareness
